Universität Zürich

 

 

 

Das Instrument "Emissionshandel" in den kantonalen Umweltschutzgesetzen beider Basel

 

 

 

 

 

 

Semesterarbeit im Fachgebiet

Spezielle Gebiete der angewandten Volkswirtschaftslehre

Fach: Umweltökonomie

 

 

Eingereicht bei Frau Prof. Dr. H. Schelbert

 

 

 

1. Mai 1991

Verfasser:

Ernst Füglistaler

Birkenweg 7

5610 Wohlen

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Erfahrungen in den USA

2.1. Wie kam es zum Emissionshandel?

2.2. Welche Varianten waren möglich?

a) Offsets

b) Bubbles

c) Netting

d) Banking

2.3. Wie stark wurden die verschiedenen Angebote genützt?

2.4. Welche Resultate wurden damit erreicht?

a) Effektivität

b) Wirtschaftliche Effizienz

c) Administrative Effizienz

d) Technische Innovation

e) Fazit

3. Der Basler Plan

3.1. Ziele

3.2. Rechtlicher Rahmen

3.3. Konkrete Ausgestaltung

§ 10 Emissionsgutschriften

§ 11 Emissionsverbund

3.4. Rechnungsbeispiel Gutschriften / Verbund

a) Rechnungsbeispiel

b) Kommentar

3.5. Der Einfluss der Basler Wirtschaftsverbände

a) Ist dieser Emissionshandel gesamtwirtschaftlich effizient?

b) Abänderungen in den Parlamenten

3.6. Auswirkungen der Änderungen auf die Umwelt

3.7. Zu erwartende Auswirkungen

a) Effektivität

b) Wirtschaftliche Effizienz

c) Administrative Effizienz

d) Technische Innovation

4. Schlussgedanken

5. Literaturverzeichnis

 

 

1. Einleitung

Das Ziel dieser Semesterarbeit im Fach Umweltökonomie ist, die in den beiden Entwürfen der kantonalen Umweltschutzgesetze von Basel-Stadt und Basel-Landschaft enthaltene Massnahme des Emissionshandels im Rahmen der Umweltschutzpolitik (Luftreinhaltung) darzustellen und deren ökonomische Effizienz zu bewerten. Die Regelung des Emissionshandels ist auf zwei Paragraphen aufgeteilt: In einem Paragraphen (§ 10) ist die Emissionsgutschrift geregelt, im anderen Paragraphen (§ 11) der Emissionsverbund. Umweltzertifikate, wie die Emissionsgutschriften in Basel, sind nach Menge und Art des Schadstoffes verbriefte 'Verschmutzungsrechte' und sind prinzipiell auf einem offenen Markt frei handelbar. Dort stellt sich der Preis für die Ressource 'Natur' ein. Dieser Preis "zeigt, welchen Nutzen eine Gesellschaft der Erhaltung der Umwelt beimisst und zugleich, welche Kosten damit verbunden sind" (Frey, S. 120-121). Dieser Preis ist im Sinne der volkswirtschaftlichen Effizienz optimal und stellt sich automatisch ein; problematisch bleibt die Festlegung des Zielwertes. Der Emissionsverbund stellt konzeptionell keine Änderung dar, er ist lediglich eine institutionalisierte Variante der Zertifikatslösung.

Der grosse Vorteil dieses Instrumentes in der Theorie liegt also darin, dass das Problem der exogenen Festlegung des optimalen Preises wegfällt. Durch die Berücksichtigung der individuellen Kostenstrukturen der Unternehmungen ist gewährleistet, dass der Emissionshandel auch effizient ist, d.h. dass eine Minimalkostenkombination erreicht wird. In der dynamischen Betrachtung sticht hervor, dass durch die Zertifikatslösung der Anreiz zur technischen Innovation dauernd besteht, solange ein positiver Preis bezahlt wird.

In der Praxis stellen sich aber auch einige Probleme, die eine Einschränkung der Zertifikatslösung mit sich bringen. Der Emissionshandel eignet sich vor allem für Umweltbereiche, in denen wenige, genau identifizierbare Aktoren grössere Mengen von Schadstoffen an die Umwelt abgeben. Die Stückelung der Zertifikate kann aus Verwaltungs- und Kontrollgründen nicht beliebig klein sein. Eine behördliche Überwachung der Emissionshandels ist notwendig, um regionale 'hot spots' (Ballungen der Emissionen) zu vermeiden. Diese Aufgabe kann der Markt nicht lösen.

Dieses marktwirtschaftliche Konzept, das in anderen Ländern, vor allem in den USA, bereits seit 10 bis 15 Jahren im Umweltschutzbereich angewandt wird, erscheint in der Schweiz zum ersten Mal in einem konkreten Gesetzestext. Basel hat somit die Pionierrolle in der Schweiz übernommen. Die Erfahrungen in Basel werden daher für die ganze Schweiz (und teilweise auch für Europa) von grosser Bedeutung für die zukünftige Ausgestaltung und Anwendung sein. Entsprechend gross ist das Interesse verschiedenster Kreise an diesem Projekt, was sich besonders deutlich bei der Diskussion der konkreten Ausgestaltung in den beiden Parlamenten gezeigt hat. Alle Interessenvertreter versuchten, die Paragraphen nach ihrem speziellen 'Gusto' abzuändern. Mein Beitrag versucht, solche Einflussnahmen aufzuzeigen und die Auswirkungen auf die Effektivität und Effizienz der Massnahme zu nennen.

Im zweiten Kapitel werden die Erfahrungen, die in den USA gesammelt wurden und auf die sich die Basler Variante abstützt, dargestellt. Im Hauptkapitel wird die Ausgestaltung in Basel analysiert. Darin geht es auch um die Abänderungen auf dem Weg zur endgültigen Formulierung, sowie um die damit zusammenhängenden Auswirkungen, die ich versuche abzuschätzen.

 

2. Die Erfahrungen in den USA